AktuellTraining auch in den Schulferien.
Zurück zur Startseite

Dies & Das

Geschichten, Kuriositäten und Wissenswertes rund ums Schach — abseits der anderen Seiten.

Große Schachspieler im Zeichen der Sterne

Im Zeichen des Steinbocks

22.12.–20.01.

Elisabeth Pähtz (geb. 08.01.1985) ist eine deutsche Schachgroßmeisterin. Als eines der größten Nachwuchstalente in Deutschland war sie Gegenstand großen Medieninteresses. Sie trägt seit 2022 den offiziellen Titel Großmeister. Das Sportgymnasium in Dresden besuchte sie von 2004–06. In den Jahren 2002 und 2005 konnte sie die Jugend- und Juniorenweltmeisterschaften gewinnen. Sie ist aktuell die beste deutsche Schachspielerin und spielte in der Saison 2017/18 wieder für den USV TU Dresden. Im Jahre 1999 unterstützte sie Hape Kerkeling bei seinem Spaßsimultan auf Sat1 (siehe Kurioses).

Im Zeichen des Wassermanns

21.01.–19.02.

Boris Wassiljewitsch Spasski (30. Januar 1937 in Leningrad) ist ein russisch-französischer Schachmeister. Durch den Sieg in seinem nach 1966 zweiten Weltmeisterschaftskampf gegen Tigran Petrosjan wurde Spasski 1969 der zehnte Weltmeister in der Geschichte des Schachspiels. 1972 unterlag er dann in einem unvergesslichen Match dem amerikanischen Großmeister Bobby Fischer. Wenn auch die vorentscheidende 13. Partie für Spasski verloren ging, sollte man diese spannende Partie unbedingt gesehen haben...

Im Zeichen der Fische

20.02.–20.03.

Robert James „Bobby" Fischer (geb. 09.03.1943 gest. 17.01.2008) war ein amerikanischer Schachgroßmeister. Schon mit 14 Jahren gewann Fischer die US-Meisterschaft. Im Match des Jahrhunderts 1972 gegen Spasski errang er den Weltmeistertitel. Der Zweikampf stand wegen Fischers exzentrischen Verhaltens mehrfach vor dem Scheitern, und obwohl er sogar eine Partie kampflos verlor, gewann er schließlich 12,5-8,5. Dieser Wettkampf war in der Zeit des kalten Krieges ein politisches Medienereignis und löste einen wahren Schachboom aus. Nach dem Match zog sich Fischer vom Turnierschach zurück und verlor 1975 seinen Titel kampflos an Karpow. Im Jahr 1992, 20 Jahre nach seinem Rücktritt, gab er in einem Privatwettkampf gegen seinen alten Rivalen Spasski ein Comeback. Der Endstand mit 10:5 für Fischer gegen einen aktiven, allerdings nicht mehr Weltklasse spielenden Boris Spasski war dann doch etwas überraschend und beeindruckend. Seine im Jahre 1988 patentierte elektronische Uhr ist heute überall im Gebrauch...

Im Zeichen des Widders

21.03.–20.04.

Garri Kasparow (geb. 13.04.1963) ist ein russischer Schachgroßmeister. In dem neu angesetzten Weltmeisterschaftsmatch gegen Karpow 1985 errang er mit 22 Jahren als jüngster Weltmeister der Schachgeschichte den Titel. Kasparow ist ein sehr dynamischer Spieler und gilt als Eröffnungsexperte. Im Jahre 1999 erreichte er mit 2851 die zweithöchste je erspielte Elo-Zahl aller Zeiten. An der Spitze der Weltrangliste stehend, beendete Kasparow 2005 seine Schachkarriere und ging in die Politik. Im Jahr 2017, 12 Jahre nach seinem Rücktritt, spielte er über eine Wildcard beim Supergroßmeisterturnier in St. Louis mit. Mit Platz 8 beim Schnellschach und Platz 5 beim Blitz erreichte er hier ein beachtenswertes Ergebnis. Auf dem Höhepunkt seines Schaffens war Kasparow wohl der stärkste Spieler der Schachgeschichte...

Im Zeichen des Stiers

21.04.–20.05.

Lothar Maximilian Schmid (* 10. Mai 1928 in Radebeul; † 18. Mai 2013 in Bamberg) war ein deutscher Verleger und Schachspieler. Mit etwa 13 Jahren wurde Lothar Schmid Mitglied im Schachklub Radebeul. Zwei Jahre später wurde er Stadtmeister von Dresden und Gaumeister von Sachsen. 1943 belegte er bei der Reichsmeisterschaft der Hitler-Jugend in Wien den geteilten zweiten Platz. 1947 gewann er die deutsche Jugendmeisterschaft und im gleichen Jahr die Meisterschaft der sowjetischen Besatzungszone im Titel-Stichkampf gegen Gerhard Pfeiffer. Diesen ersten Platz musste er sich 1949 nach dem Turnier in Großröhrsdorf mit Wolfgang Pietzsch teilen. Für seinen Sieg beim Turnier in Zürich 1954 (vor Nievergelt und Euwe) wurde ihm nachträglich 1959 der Titel eines Großmeisters verliehen.

Der Aufbau 1. d2-d4 c7-c5 2. d4-d5 d7-d6 3. e2-e4 Sg8-f6 4. Sb1-c3 g7-g6 wurde als Schmid-Benoni bekannt.

Im Zeichen der Zwillinge

21.05.–21.06.

Anatoli Karpow (geb. am 23. Mai 1951) ist ein russischer Schachgroßmeister. Karpow wurde nach dem Nichtantritt Fischers 1975 Weltmeister und hielt den Titel bis 1985. Nach der Disqualifikation Kasparows durch die FIDE errang er 1993–99 abermals die Schachkrone. Mit über 100 Turniersiegen gilt Karpow als der erfolgreichste Turnierspieler aller Zeiten. Seine stärkste Leistung zeigte er 1994 beim Turnier in Linares, welches er mit 11 Punkten aus 13 Spielen und 2,5 Punkten Vorsprung auf Kasparow und Schirow gewann...

Im Zeichen des Krebses

22.06.–22.07.

Adolf Anderssen (eigentlich Karl Ernst Adolf Anderssen; * 6. Juli 1818 in Breslau; † 13. März 1879 ebenda) war deutscher Schachmeister und einer der stärksten Schachspieler des 19. Jahrhunderts. Als extrem starker Angriffsspieler gelangen ihm viele herausragende Kombinationen. Einzigartig sind hier die unsterbliche und die immergrüne Partie...

Im Zeichen des Löwen

23.07.–23.08.

Judith Polgar (geb. am 23.07.1976) ist eine ungarische Schachgroßmeisterin. Als jüngste der drei Polgar-Schwestern wurde auch ihre Karriere maßgeblich durch das sogenannte Polgar-Experiment (Talent wird überbewertet) geprägt. Mit dem Anspruch, immer gegen die besten Spieler der Welt spielen zu wollen, nahm Judith überhaupt nur 3x an reinen Frauenturnieren teil. Hier gewann sie mit ihren Schwestern als ungarische Nationalmannschaft 1988 und 1990 Gold bei der Schacholympiade. Judith Polgar schaffte es mit 15 Jahren, den Großmeistertitel zu erringen (eher als Bobby Fischer), und spielte sich 2005 mit einer Elo-Zahl von 2735 bis auf Platz 8 der Weltrangliste der Männer. Ihr größter Turniererfolg gelang ihr bei der Männereuropameisterschaft 2011, als sie punktgleich mit dem Sieger Dritte wurde. 2014 gab sie ihr Karriereende bekannt. Sie gilt als die stärkste Schachspielerin aller Zeiten.

Im Zeichen der Jungfrau

24.08.–23.09.

François-André Danican Philidor (* 7. September 1726 in Dreux; † 31. August 1795 in London) war ein französischer Komponist und galt zu seinen Lebzeiten als bester Schachspieler der Welt.

Nach ihm wurde die Philidor-Verteidigung 1.e4 e5 2.Sf3 d6 benannt.

Im Zeichen der Waage

24.09.–23.10.

Akiba Rubinstein (geb. 01.12.1880 gest. 15.03.1961) war ein polnischer Schachmeister. Er galt als ausgezeichneter Positionsspieler und Meister des Endspiels. Des Weiteren verfasste er bedeutende Beiträge zur Eröffnungstheorie. In seiner Karriere gelang es ihm, alle Einzelwettkämpfe (ein Unentschieden gegen Salwe) zu gewinnen. Im Jahr 1913 erspielte er sich eine historische Elo-Zahl von 2789 und war damit zu dieser Zeit bester Spieler der Welt. Man sagt, vielleicht war er von allen Spielern, die nicht Weltmeister wurden, der Größte...

Im Zeichen des Skorpions

24.10.–22.11.

Mihail Tal (geb. 09.11.1936 gest. 27.06.1992) war ein lettischer, russischer Schachgroßmeister. Im Match gegen Botwinnik errang er 1960 die Schachkrone, die er im Revanchematch im Jahr darauf wieder verlor. Trotz mehrerer Versuche, den Titel zurückzuholen, schaffte er dies nicht mehr. In den Jahren 1973/74 gelang es ihm, in 93 aufeinanderfolgenden Partien ungeschlagen zu bleiben, was nie wieder von einem anderen Großmeister erreicht wurde. Tal spielte gern riskant und galt als Kombinationsgenie. Eine Kostprobe sehen wir hier in einer Partie gegen Smyslow...

Im Zeichen des Schützen

23.11.–21.12.

Magnus Øen Carlsen (geb. am 30.11.1990) ist ein norwegischer Schachgroßmeister und seit 2013 Weltmeister. Der als Wunderkind bezeichnete Schachspieler erreichte die Großmeisternorm schon mit 13 Jahren. Sein Spielstil zeichnet sich durch ein perfektes Stellungsgefühl und großen Kampfgeist aus. Er wechselt oft die Eröffnungsvarianten und ist besonders stark im Endspiel. Seit 2011 steht er ununterbrochen an der Spitze der Weltrangliste und erreichte im Jahr 2014 die höchste Elo-Zahl aller Zeiten von 2882. Er ist aktuell der beste Schachspieler der Welt und könnte der Größte aller Zeiten werden...

25 wirklich witzige Geschichten

Weggeputzt nach russischer Art

Der Kabarettist Matthias Deutschmann ist ein guter Schachspieler. Früher saß er sogar in der Bundesliga am Brett. Als er während einer Russlandreise im Jahr 1983 seine Kenntnisse mal etwas vertiefen wollte, ging Deutschmann mit seinem Freund Gerhard Kiefer, ebenfalls ein Bundesligaspieler, zum berühmten Tschigorin-Schachclub im damaligen Leningrad. An jenem Tag war dort aber keiner mehr anwesend, erst recht kein Großmeister. „Nur eine Frau, die geputzt hat", erinnert sich Deutschmann. Netterweise habe sich die Putzfrau für zwei Partien angeboten. Erst war Kiefer dran – und wurde schnell abgefegt! „Wir haben uns totgelacht", sagt Deutschmann, „ich habe danach immerhin ein Remis geschafft!"

Die Posaunen vom Dresdner Hammerweg

Am zweiten Adventssonntag des Jahres 2014 stand in der 3. Runde der Stadtliga das Duell zwischen den Teams der Justizvollzugsanstalt Dresden und Priestewitz 2 auf dem Programm. Im Vorfeld hatte die JVA-Mannschaft unglaubliche 13 Siege eingefahren und wollte nun diese Serie ausbauen. JVA-Team-Chef Heinz Gappel berichtet von den Geschehnissen: „An diesem Tag allerdings sah die Situation für die JVA, durch arg trostloses Geschiebe, doch recht traurig aus. Schon nach der ersten Stunde konnte eigentlich nur noch ein Wunder helfen. Und so kam es: Zur völligen Überraschung aller ertönten Punkt 10 Uhr plötzlich lautstark bekannte Weihnachtsmelodien. Während alle das erste Musikstück noch mit einem Kopfnicken oder Stirnrunzeln kommentierten, steigerte sich die Geschichte mit fortschreitender Zeitdauer. Die Posaunisten bliesen, was das Zeug hielt, und machten dem Standort am Hammerweg symbolisch alle Ehre. Hier die Besinnlichkeit am Schachbrett behalten zu können, war nun die wahre Herausforderung. Ob jetzt die Musik die JVA-Spieler zusätzlich motivierte oder den Gegner eher verwirrte, lässt sich bis heute nicht klar sagen, aber wie von Zauberhand veränderten sich die festgefahrenen Strukturen auf den Brettern zum Positiven, und das Ruder konnte noch herumgerissen werden. Wie sich später herausstellte, hatte das „Wunder" tatsächlich ein wenig mit göttlichem Beistand zu tun. Für den Adventsgottesdienst hatte die hiesige Seelsorge nämlich spontan einen Posaunenchor organisiert. Leider war die Veranstaltung aber nicht bis zu den Schachspielern durchgedrungen, sodass die Überraschung dann auch wirklich überraschend kam. Nun, auf alle Fälle hat es funktioniert, und seit dieser Zeit haben wir diverse Blechbläser immer abspielbereit dabei, für andere ausweglose Situationen..."

Bogoljubow überflüssig

Großmeister Bogoljubow spielte einmal in einem kleinen Ort in der Schweiz simultan. Natürlich wurde der Fotograf geholt, um dieses Ereignis im Bild festzuhalten. Vorn stand der Großmeister, dann folgten in langer Reihe die Simultanspieler. Wie erstaunt waren aber die Schachspieler, als beim Aushängen der Bilder von Bogoljubow nichts zu sehen war. Als der Fotograf deswegen zur Rede gestellt wurde, lautete seine Erklärung: „Ach, den Dicken da mit dem Bierglas, den habe ich wegretuschiert, der hatte ja damit gar nichts zu tun."

Schachhumor aus dem 19. Jahrhundert

Die Auflösung eines Schachklubs erfolgt, wenn derselbe aus nur noch einem Mitglied besteht. Unter diesem wird das vorhandene Inventar (Spiele, Bretter, Bücher etc.) verauktioniert und der Erlös samt dem Kassenbestand oder Defizit dem einen Mitgliede in Anerkennung seiner Ausdauer feierlichst überreicht.

Suchmeldung

Vor gut hundert Jahren wurde Schachfreund Wilhelm Steinitz zuletzt gesehen. Seine Ehefrau gibt an, dass ihr Mann schon öfters zum Zigarettenholen gegangen sei, tatsächlich aber an Schachturnieren teilgenommen habe, jedes Mal aber nach längerer Zeit zurückgekehrt sei. Sie habe sich deshalb zunächst keine Sorgen gemacht, sei in den letzten Jahren aber doch etwas unruhig geworden. Auch müsse der Müll einmal rausgebracht werden. Irgendwie vermisse sie ihren Mann. Wir fragen: Wer hat den benannten Wilhelm Steinitz zuletzt gesehen? Der Gesuchte spielt das Königsgambit mit 3.d4 und hält den Bauern auf a2 für den wertvollsten Stein auf dem Schachbrett. In der Spanischen Partie zieht er nach 3.Lb5 regelmäßig d6 und wundert sich über seine gedrückte Stellung, empfiehlt diese Spielweise dennoch jedermann. Wenn er mal getrunken hat, halluziniert er von einem gewissen Lasker, dem er es schon noch zeigen werde. Sachdienstliche Hinweise nimmt jede Schachdienststelle entgegen.

Schachspieler kommen nicht in den Himmel

Gemeinsame Sieger des Karlsbader Turniers 1923 wurden Aljechin, Bogoljubow und Maroczy. In gehobener Stimmung war man beim Abschlussbankett, hielt Tischreden und erzählte „Histörchen". So meldete sich auch Aljechin zu Wort: „Ich träumte letzte Nacht, ich sei gestorben und vor dem Himmelstor angekommen. Dort fragte mich Petrus nach meinem Beruf. ‚Schachspieler‘ war meine Antwort. Schachspieler kämen nicht in den Himmel, erklärte mir Petrus. Doch bevor er das Himmelstor wieder schließen konnte, erkannte ich dort zwischen all den Engeln einen korpulenten Herrn, der verdächtige Ähnlichkeit mit Bogoljubow hatte. ‚Und was macht der da?‘, fragte ich den heiligen Mann. Ach, winkte Petrus ab, der glaubt doch nur, er könne Schach spielen."

Betrunkener Großmeister schläft am Schachbrett ein

Chennai. Vladislav Tkachiev hat sich bei einem Turnier im indischen Kolkata selbst schachmatt gesetzt. Der in Moskau geborene Wahl-Franzose kam dermaßen betrunken zu seinem Duell gegen den einheimischen Praveen Kumar, dass er sich kaum auf dem Stuhl halten konnte und nach elf Zügen mit dem Kopf auf dem Tisch einschlief. Fotos zeigten, wie die Veranstalter vergeblich versuchten, den sanft schlummernden Europameister von 2007 zu wecken. Er verlor das Duell, weil der 35-Jährige das Zeitlimit von 90 Minuten überschritt. Der Ausrichter verwarnte ihn, ließ den Großmeister aber weiter am Turnier teilnehmen.

Inkognito

Nachdem Aljechin den Weltmeistertitel von Capablanca erobert hatte, verbrachte der Ex-Champion einen Teil seiner Freizeit in einem Pariser Café. Freunde, Bekannte und andere kamen oft vorbei, um mit dem charismatischen Capablanca zu plaudern oder eine Partie zu spielen. Eines Tages, als Capablanca gerade Kaffee trank und Zeitung las, kam ein Fremder zu ihm an den Tisch, deutete auf ein Schachspiel und gab zu verstehen, dass er bereit wäre zu spielen, wenn Capablanca einverstanden sei. Das Gesicht Capablancas erhellte sich. Er faltete die Zeitung zusammen, baute die Figuren auf, steckte dabei aber seine Dame ein. Sein Gegner (der offenbar keinen Schimmer hatte, wem er gegenübersaß) reagierte leicht verärgert und meinte trocken: „Hey! Sie kennen mich ja gar nicht! Ich werde Sie schlagen!" Capablanca erwiderte leise mit einem höflichen Lächeln: „Wenn Sie mich schlagen könnten, würde ich Sie kennen."

Die Zigarren des Weltmeisters

Während des Weltmeisterschaftskampfes zwischen Lasker und Steinitz im Jahre 1894 hatte Lasker von einem ihn verehrenden Anhänger ein Kistchen feinster Zigarren geschenkt bekommen. Nachdem Lasker das Match siegreich beendet hatte, gratulierte ihm dieser Fan und brachte sich gleichzeitig in Erinnerung, indem er den neuen Weltmeister fragte, ob ihm die besagten Zigarren auch ein wenig geholfen hätten, den Kampf zu gewinnen. „Selbstverständlich haben sie dazu beigetragen", antwortete Lasker, „sie hatten sogar eine prachtvolle Idee." „So gut sind sie gewesen?", ließ der Fan nicht locker. „Das weiß ich nicht", präzisierte der Weltmeister, „ich habe sie nach und nach Steinitz angeboten. Ich selbst habe andere geraucht."

Tals Gedächtnis

Während der 24. UdSSR-Schachmeisterschaft in Moskau versuchte Aivar Gisplis, das phänomenale Gedächtnis seines Landsmannes Michail Tal zu testen, indem er ihm eine Fangfrage stellte: „Mischa, kannst du dich vielleicht erinnern, welche Variante des Damengambits Keres als Weißer gegen Boleslawski in der dritten Runde beim 20. Championat gespielt hat?" Tal runzelte die Stirn. „Willst du mich auf den Arm nehmen? Diese Partie wurde nicht in der dritten, sondern erst in der letzten Runde ausgetragen. Außerdem hatte Boleslawski Weiß und nicht Keres." Und schließlich: „Es wurde kein Damengambit gespielt, sondern ein geschlossener Spanier!"

Sportberichterstattung

In den zwanziger Jahren nahm der Hamburger Meisterspieler Paul Krüger an einem kleinen Lokalturnier teil und wurde vom Reporter der Lokalzeitung interviewt. Es stellte sich heraus, dass der Mann von der schreibenden Zunft keine Ahnung vom Schach hatte. Krüger ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, ihn richtig hereinzulegen. Die Abonnenten des Blättchens konnten am nächsten Tag zu ihrem Erstaunen Folgendes lesen: „Die spannendste Partie der gestrigen Runde wurde zwischen dem Hamburger Meister Krüger und unserem Spitzenspieler M. ausgetragen. M. eröffnete als Anziehender diesmal mit den schwarzen Steinen. Der Gast parierte mit der gefürchteten Königstigervariante des Damenspiels, und es gelang ihm, den König frühzeitig ins Spiel zu bringen. In einer Serie kraftvoller Züge griff der weiße König die schwarze Dame an, jagte sie über das Schachbrett und lockte sie schließlich in eine Falle."

Ein Autogramm von Viktor dem „Schrecklichen"

Im Jahr 2006 kam es in der 5. Runde der Schweizer Liga zu einem Duell zwischen IM Frank Zeller und Großmeister Viktor Kortschnoi. Frank Zeller berichtet: „Da in der Schweiz die Bretter getauscht werden können, war es nicht ganz sicher, ob ich gegen ihn spielen würde, aber für alle Fälle nahm ich ein Buch von ihm mit zur Partie, in der Hoffnung, dass er es mir danach signieren würde. Und tatsächlich – als die Runde begann, saß mir Viktor ‚Der Schreckliche‘ persönlich gegenüber. Allerdings war von vornherein klar, dass ich seine Unterschrift nur bekommen würde, wenn ich die Partie verlöre. Meine Frau, die als Psychotherapeutin arbeitet, meinte später, dass hier wohl schon der Grund für meine spätere Niederlage zu suchen sei, denn obwohl ich (mit dem Königsgambit) eine totale Gewinnstellung erreichte, entglitt mir die Stellung in Zeitnot völlig, und am Ende musste ich nach 61 Zügen die Waffen strecken. ‚Du musstest verlieren, um dein Autogramm zu bekommen!‘, bemerkte meine Frau trocken. Nachdem ich aufgab, war Kortschnoi dann auch gerne bereit, mein Buch zu signieren. Nicht allerdings, ohne einen kleinen Seitenhieb mitzuschicken. Denn er schrieb: ‚Für Frank Zeller in Erinnerung an eine total gewonnene Stellung!‘"

Wie gewonnen so zerronnen

Der in Prag geborene Weltmeister Wilhelm Steinitz (1836–1900) spielte, um seine finanzielle Lage zu verbessern, regelmäßig in London in einem Kaffeehaus Schach-Schnellpartien um Geld. Die Beträge waren höher als damals in Wien, oft handelte es sich um ein englisches Pfund. Ein englischer Geschäftsmann, der sehr schwach spielte und ständig verlor, war einer seiner Dauerkunden. Daher überlegte sich einer von Steinitz' Freunden, nachdem sich dieser Spielverlauf wochenlang wiederholte, ob es nicht ratsamer wäre, den wohlhabenden Spielpartner auch einmal gewinnen zu lassen, bevor dieser das Interesse am Schachspielen mit dem Weltmeister verliere und damit auch seinen besten Kunden. Da Steinitz diese Überlegung für sinnvoll hielt, beschloss er, die nächste Partie zu verlieren. Er stellte in diesem Spiel seine ungedeckte Dame dem Gegner entgegen. Nach sechs weiteren Zügen bemerkte er es und schlug die Dame. Daraufhin gab Steinitz auf, schob die Schachfiguren zusammen und fing an, sie für das nächste Spiel aufzustellen. Der Gegner wollte davon allerdings nichts mehr wissen und schrie: „Ich habe den Weltmeister besiegt! Ich habe den Weltmeister besiegt!", und rannte aus dem Kaffeehaus und ist dort nie wieder aufgetaucht.

Die Dreieinigkeit des Schachs

Einmal fragte ein junger Meister einen Kollegen: „Was meinen Sie, ist Schach Kunst, Sport oder Zeitverschwendung?"

„Das hängt davon ab, wer spielt. Wenn Smyslow spielt, ist es Kunst, wenn ich spiele, ist es Sport, wenn Sie spielen, ist es Zeitverschwendung!"

Und sie heißen sicher nicht Erenburg?

Vor ungefähr 10 Jahren traf ich, GM Evgeny Postny, in der israelischen Liga mit den schwarzen Steinen auf Semon Dvoirys, einen russischen Großmeister, der für seine Hingabe zum Schach, aber auch für eine gewisse, liebenswerte Schrulligkeit bekannt ist. Wie sich später herausstellte, war er davon ausgegangen, nicht auf mich, sondern auf meinen guten Freund, GM Sergey Erenburg, zu treffen. Doch in der israelischen Liga ist es möglich, die Brettreihenfolge beliebig zu verändern. Sergey und ich tauschten die Positionen, und so saß ich also Dvoirys gegenüber. Als ich Platz nahm, blickte mich mein Gegner irritiert an und fragte: „Ihr Name ist Erenburg, oder?" Ich war verblüfft, denn Dvoirys hatte sowohl schon gegen mich als auch gegen Erenburg gespielt, und antwortete, dass ich Evgeny Postny sei. Dvoirys schüttelte ungläubig den Kopf und eröffnete die Partie schließlich sehr energisch mit 1.e4. Zu jeder Zeit spielte Erenburg mit Schwarz ausschließlich die Caro-Kann-Verteidigung auf diesen Zug, während ich ein etwas breiteres Repertoire hatte, doch Caro-Kann gehörte auch dazu. Ich dachte einige Momente nach und antwortete schließlich – ebenfalls mit Caro-Kann. Dvoirys erstarrte, blickte mich mit durchdringendem Blick an und fragte eindringlich: „Sind Sie sicher, dass Sie nicht Erenburg sind?"

Steinitz' Spielstil

Nicht bei allen Zeitgenossen von Wilhelm Steinitz stieß sein Spielstil auf Verständnis. Es wurde viel darüber geredet. Sein Widersacher Henry Edward Bird (1830–1908) versuchte einmal, den Erfolg des ersten Schachweltmeisters zu erklären: „Geben Sie den Inhalt einer Schachtel mit Schachfiguren in einen Hut, schütteln Sie kräftig und gießen Sie das Ganze aus einem halben Meter Höhe auf das Schachbrett. Dann haben Sie den Stil von Steinitz."

Sämisch und das liebe Geld

Sämisch, ein Lebenskünstler ohnegleichen, da er mit nichts seinen Lebensunterhalt zu bestreiten wusste (oder musste), hatte nach dem Krieg ein bescheidenes Auskommen als Schachprofi, indem er Partien in einem Mannschaftswettbewerb gegen Geld bestritt. Er wurde sofort pro Zug bezahlt, d. h. nach jedem seiner Züge bekam er eine Mark. Der Mannschaftsführer saß neben ihm und legte tatsächlich nach jedem von Sämisch gemachten Zug eine Münze auf den Tisch. Allerdings ging dem Zahlmeister das Münzgeld aus. Und Sämisch zog nicht mehr. Eiligst konnte ein Schein gewechselt, der letzte Zug abgeholt werden. Nachdem nun eine Mark mehr auf dem Stapel lag, erwachte der Meister und spielte seinen nächsten Zug.

Remis?

In Zürich 1953 soll zwischen Miguel Najdorf und Boleslawski während ihrer Turnierpartie folgende Unterhaltung stattgefunden haben:

Najdorf: „Remis?"

Boleslawski: „Nein!"

Najdorf (nach einigem Nachdenken): „Spielen Sie auf Gewinn?"

Boleslawski: „Nein!"

Najdorf (schnell): „Also doch Remis?"

Boleslawski: „Nein!"

Najdorf: „Spielen Sie auf Verlust?"

Boleslawski: „Nein!"

Najdorf: „Ja, was wollen Sie denn?"

Boleslawski: „Spielen!"

Einladung

Monaco organisierte 1967 ein gewaltiges Meisterturnier, bei dem die Veranstalter alles daransetzten, nur die besten Spieler zu bekommen. Sie telegrafierten dem USA-Verband: „Laden zwei Großmeister ein – einer davon Fischer!" Was während des Turniers tatsächlich geschah, wurde der Öffentlichkeit verschwiegen. Im Jahr darauf bekam der USA-Verband erneut ein Telegramm – diesmal lautete es: „Lade zwei Großmeister ein – keiner davon Fischer!"

Die größte Sorge von Frau F.

Im August des Jahres 2003 beschloss Andreas Steger, seinen Urlaub mit Schach zu verbinden. Angeboten hatte sich dazu die 19. Auflage des Faakersee-Opens in Latschach, einer Ortschaft in Kärnten. Die wärmste Zeit des Jahres 2003 ging als Jahrhundertsommer in die Geschichte der Wetteraufzeichnung ein. Das bekam man auch im Spielsaal zu spüren.

„Nach einer Marathonpartie in der zweiten Runde war bei mir irgendwie die Luft draußen. Und so folgten drei Niederlagen in Folge. In der fünften Runde wurde mir eine Gegnerin zugelost, und es entstand ein Spielchen, das mir noch lange in Erinnerung blieb. Sie hieß Pauline Fauland. Der Name war mir ein Begriff, haben doch die Österreicher einen internationalen Meister mit diesem Namen, und zwar Alexander Fauland. Daran, ob die beiden verwandt sein könnten, verschwendete ich keinen Gedanken. Pauline Fauland gehörte zu den Damen des älteren Semesters, kam jedoch mit jugendlichem Elan auf mich zu und führte die ersten Züge mit großer Entschlossenheit aus. Sie wirkte dabei aber etwas hektisch, und kaum hatte sie einen Zug ausgeführt, schubste sie gewiss ein halbes Dutzend Mal mit dem Ellenbogen ihr Partieformular zu Boden, was dazu führte, dass ich mir ein verstecktes Schmunzeln nicht verkneifen konnte. Als ich im 36. Zug meinen b-Bauern zwei Felder nach vorne bewegte, ergriff sie die Gelegenheit, meinen Bauern en passant vom Brett zu entfernen. Doch kaum hatte ich den Bauern zurückgenommen, trafen sich unsere Blicke. Ich bemerkte, dass sie mich mit großen Augen anschaute, und zwar so, als hätte sie einen Protest meinerseits erwartet. ‚Waaas? Haben’S gwusst, dass man den Bauern so schlagen kann?‘, worauf ich erwiderte: ‚Ich dachte eigentlich schon, dass das geht…‘ Als sich einige Züge später ihre Niederlage abzeichnete, begann sie plötzlich, Interesse an meinem Notationsformular zu zeigen. Mit strengem Ton fragte sie mich: ‚Haben’S meinen Vornamen auch aufgeschrieben? Ich heiße Pauline! Das müssen’S machen, sonst meint man, Sie hätten gegen meinen Sohn gewonnen!‘ Und mit einiger Verblüffung war mir plötzlich bewusst, dass es sich doch um keine zufällige Namensgleichheit handelte…"

Im Vorübergehen

Zum wiederholten Mal fand ein Wettkampf zwischen der Mannschaft eines Schachvereins und der eines psychiatrischen Krankenhauses mit Ärzten und Patienten statt, wobei nicht immer der Schachverein siegte! Während des Spiels schlug ein Mitglied des Schachvereins einen Bauern seines Gegners „en passant". Jener stutzte und fragte, was dies bedeuten solle. Sein Kontrahent erklärte ihm, dass ein ganz regulärer Zug stattgefunden habe. Doch er ließ sich davon nicht überzeugen und sagte: „En passant! En passant! Nee, nee! Es mag sein, dass wir alle hier verrückt sind, aber sooo verrückt sind wir nun doch nicht. Stellen Sie nun den Bauern wieder hin!"

Proportional

Einmal spielte David Bronstein gegen den späteren Weltmeister Wassili Smyslow nach nur zwölf Zügen remis. Ein hoher Funktionär stellte ihn wütend zur Rede: Sie hätten weiterspielen sollen, schließlich erhalten Sie Zahlungen vom Sowjetischen Schachverband! Bronsteins Konter wurde zu einem Klassiker der sowjetischen Schachszene: „Glauben Sie wirklich, dass ich für nur drei Rubel am Tag Smyslow angreifen werde?"

Der Optimist

In den 80er-Jahren hatten wir eine recht erfolgreiche Mannschaft, die immerhin den Einzug in die Oberliga schaffte. In unseren Reihen befand sich ein älterer Spieler, der in den 60er-Jahren zu den besseren seiner Art zählte. Noch immer glaubte er fest daran, in jeder Partie klar auf Gewinn zu stehen. Das war aber nicht immer so – eher immer seltener. Zu dieser Zeit gab es noch die berüchtigten „Hängepartien". So kam es in einem Kampf gegen einen aus der Frankfurter Umgebung spielenden Verein, dass er eine Hängepartie mit schlechter Stellung abbrechen musste. Sein unbändiger Ehrgeiz verbot ihm aufzugeben. Während der ganzen Rückfahrt jammerte er nur, dass der „Bub" – sein Gegner, der bestimmt 5–10 Jahre älter war als er – überhaupt nichts gesehen habe und jetzt durch Zufall besser stünde. Objektiv war die Partie verloren.

Am Tag, an dem die Partie an unserem Vereinsabend fortgesetzt werden sollte, erschien weder er noch sein Gegner. Wir waren schon leicht besorgt, denn draußen schneite es bereits. Um 20:10 Uhr wurde ich als Mannschaftsführer zum Telefon gerufen. Er war dran. „Also, ich wollte nur sagen, dass ich aufgegeben habe. Der Bub hat angerufen und gefleht, ob er bei dem Sauwetter kommen muss. Da hatte ich dann Mitleid und habe aufgegeben." Gut, ich lobte ihn und sagte so nebenbei: „Na ja, war ja eh zu 90 Prozent im Eimer." Daraufhin hörte ich nur noch Schnaufen aus dem Hörer und hatte schon Bedenken, ihm sei etwas passiert.

Endlich – nach knapp einer halben Minute – vernahm ich: „A-c-h-t-z-i-g!!!" Dann wurde der Hörer aufgeknallt, dass es noch Stunden in meinen Ohren dröhnte.

Schach-Musik

Der Komponist Max Reger saß im Gasthaus, wo eine Kapelle spielte, und rief den Ober: „Herr Ober, spielt die Kapelle auch Wünsche der Gäste?" – „Gewiss, was soll die Kapelle für Sie spielen?" – „Am liebsten wäre mir, wenn die Kapelle Schach spielt, bis ich mit dem Essen fertig bin."

0-0

Beim legendären Turnier in Bled 1931, wo Aljechin den glanzvollsten Sieg seiner Laufbahn errang, kam es zu einem peinlichen Zwischenfall. Die Partie Kostic–Kashdan war in ein kompliziertes Endspiel übergegangen, wo ein amerikanischer Turm einen jugoslawischen Springer am Brettrand festgenagelt hatte und zu erobern drohte. Für längere Zeit zog sich Kostic dann auf das stille Örtchen zurück. Plötzlich verbreitete sich die Nachricht, dass er dort überrascht worden sei und jemand gesehen habe, wie sich Kostic eines Taschenschachs bediente, um die laufende Partie zu analysieren. Die Turnierleitung beschloss, keine drakonischen Maßnahmen einzuleiten. Nach einer Verwarnung wurde die Partie weitergespielt und endete am Schluss mit Remis. Ein paar Runden später kam es zu einem lustigen Nachspiel. Als Tartakower das nämliche Örtchen aufsuchen wollte, waren alle Lokalitäten besetzt. Er rüttelte an den Türen und rief aufgebracht: „Verflixt, überall Kostic!"

Lustiges Schachlexikon

Alkohol

Alkohol in Maßen mag ja noch während des Schachspiels angehen. Aber Alkohol in Massen ist grob unsportlich! Die FIDE täte daher gut daran, diesen vom Spiel auszusperren. Betrunkene Schachspieler sind gegenüber ihren asketisch lebenden Kontrahenten deutlich im Vorteil: Ihre Fahne (Farbe blau) macht den Anti-Alkoholiker betrunken, sodass dieser bald zum Zeichen der Aufgabe die Fahne (Farbe weiß) schenken muss. Des Weiteren wirken psychologische Kniffe gegen Betrunkene nicht, weil ihre Psyche, die nicht mehr vorhanden ist, nicht bekämpft werden kann. Am unfairsten jedoch ist es, dass die alkoholisierten Schachspieler mit doppelt so vielen Figuren spielen wie Nüchterne. Allerdings erschwert dies auch deren Spiel. Betrunkene legen ihr Spiel immer auf Beraubungssiege an, damit sie am Ende in Ruhe die beiden gegnerischen Könige mattsetzen können.

Aberglaube

Wie jeder weiß, sind die meisten Schachspieler abergläubisch. Gottlob ist man selbst von diesen absurden Anwandlungen völlig frei. Vorsichtshalber – um nichts falsch zu machen – ziehen wir dann aber doch die Socken an, die wir bei unserem letzten glanzvollen Sieg trugen. Auch wenn sie etwas verdreckt sind und vom Geruch her an einen Emmentaler erinnern ...

Bauer

Bekanntlich die Seele des Spiels. Bauern sind besonders mit ihren Gabeln gefährlich. Dies erfuhren die adeligen Herrschaften schon im Mittelalter bei den Bauernaufständen. Küsst einen Bauern die Muse, oder genauer gesagt die achte gegnerische Reihe, wird der einst so Unscheinbare in den Adelsstand erhoben. Preis der Auszeichnung ist dabei aber oft eine Geschlechtsumwandlung zur Dame. Besondere Wertschätzung im Adel genießen Zentrums-, Frei- und besonders gedeckte Freibauern.

Paradox wird das Schach, wenn der Bauer mit dem Bauern die Dame der Dame schlägt bzw. der Bauer der Dame die Dame des Bauern verspeist. Das Gleichgewicht der Kräfte wird nicht gestört, wenn der Bauer mit der Dame Bauern oder Damen tauscht ...

DWZ-Sachbearbeiter

Bekanntlich der unfähigste Mathematiker in unserem Schachbezirk. Er ist ein ständiges Ärgernis: Nie, aber auch fast nie, rechnet er einem die eigene Wertungszahl korrekt aus. Hätte der Bezirk endlich einen guten DWZ-Sachbearbeiter, wäre wohl jedermann um mindestens 100 Punkte besser – mit Ausnahme des DWZ-Sachbearbeiters selbst. Sie verbessern sich seltsamerweise schon kurz nach erstmaligem Amtsantritt kolossal.

Letztes Brett

Das achte Brett ist in einer Mannschaft meist das Allerletzte. Der Spieler am achten Brett sitzt immer im entlegensten Winkel des Raumes – Zuschauer verirren sich an dieses Brett nur dann, wenn sie in derselben Ecke die Toiletten vermuten. „Der Patzer am achten Brett", so die anderen sieben Mannschaftskameraden, erweckt bestenfalls beim Stand von 3,5:3,5 Interesse. Auch ansonsten ist die Rolle des letzten Mannes undankbar: Wenn er nicht alle Saisonspiele gewinnt – das darf erwartet werden, schließlich spielt der achte Mann stets gegen den schlechtesten Spieler des Gegners – wandert er in die nächstniedere Mannschaft.

Glücksspiel

Schach ist ein durch und durch logisches Spiel, behaupten all jene, die soeben eine Partie gewonnen haben. Alles Mumpitz! Schach ist ein reines Glücksspiel, wie der Autor und sicher auch viele Leser schon in unzähligen Partien nachgewiesen haben. Plötzlich gewinnt halt mal eine Springergabel die Qualität, oder ein undeckbares Matt befindet sich auf dem Brett – wenn alles logisch auf dem Brett zuginge, würde jedes Match doch im Remis enden. Selbst der Internationale Schachverband FIDE gesteht ein, beim Schach handle es sich um ein Glücksspiel: Denn wie wäre es sonst zu erklären, dass die von der FIDE verliehenen Titel Großmassler (GM), Internationaler Massler (IM) und FIDE-Massler (FM) heißen. Merke: Ein Patzer ist demnach einer, der ohne Glück spielt.

Gabel

Ein durch und durch nützliches Utensil: Damit kann man Pommes mit oder ohne Ketchup aufspießen oder den Gegner piesacken. Eingesetzte Gabeln erleichtern einem das Verspeisen des Essens bzw. des Kontrahenten. Gabeln bleibt nur bei zwei Dingen der Erfolg versagt: bei Suppe und bei anderen Springern.

Mitgliederversammlung

Fernbleiben, fernbleiben und nochmals fernbleiben lautet die bewährte Taktik, um ja kein Amt bei der alljährlichen Mitgliederversammlung zugeschanzt zu bekommen. Da sich dies schon lange herumgesprochen hat, wundert es keinen, dass die Versammlungen – abgesehen von den Funktionären und den Funktionärsanwärtern – nur spärlich besucht werden. Sollten nur alle zwei Jahre in Ihrem Schachclub Neuwahlen anstehen, können Sie es riskieren, in den anderen Jahren die Mitgliederversammlungen zu besuchen. Seien Sie aber gewappnet. Erkundigen Sie sich vorher, ob keiner der Funktionäre zurücktritt.

Hat der Vereinspräsident hinterhältigerweise die Mitgliederversammlung auf einen der Spielabende gelegt, und Sie tappen nichtsahnend in die Falle, helfen nur noch zwei Verteidigungszüge, die jedermann nach Geschmack wählt: Entweder beschimpfen Sie die „unfähige Vorstandschaft", mit der Sie nie und nimmer kompromisslos zusammenarbeiten wollten, oder Sie machen einen auf beschäftigt. Sätze wie „Ich könnte eigentlich alles wesentlich besser als die derzeitige Vereinsführung machen, doch leider, leider bin ich beruflich so angespannt ..." lassen Sie in der Achtung Ihrer Klubkameraden garantiert kräftig steigen.